#Project1o1 die Nacht der Ætheria – Graun des Morgens 05

Erst jetzt merkten sie, dass der Gesang von den Männern kam, die nach und nach zum Feuer strömten. Auf den Masken spiegelte sich die Flammen als der Gesang immer lauter wurde. Immer mehr maskierte Menschen traten auf den Platz und fingen an das Feuer zu umkreisen.
Während die Maskierten auf die Flammen zu strömten entfachten an allen Zelten Fackeln, die der Umgebung einen mystischen Hauch gaben.

Wie auf ein Kommando hin verstummte der Gesang. Alle blieben an der Stelle stehen, wo sie gerade waren und drehten sich mit den Gesichtern zum Feuer.
Ein Mann in einer langen weißen Robe, mit einer Maske, die an einen Fuchs erinnerte, bahnte sich den Weg durch die Menschen zum Feuer. Auch wenn diese mit dem Rücken zu ihm standen, machten sie ihm, wie auf ein lautlosen Befehl hin, den Weg frei.

Der Gesang verstummte augenblicklich, als er am Feuer ankam. Einen Moment lang war das knacken der Flammen das einzige Geräusch, dass zu hören war. Es schien, als hätten alle anwesenden den Atem angehalten. Seine tiefe Stimme durchbrach die Stille plötzlich wie ein Donnerschlag und vertrieb die Anspannung im Nu.

„Meine Freunde, meine Schwestern, meine Brüder, die ihr hier versammelt seid“ fing er an. „Heute feiern wir das Ende des vergangenen Jahres.“
Sœlve schaute ungläubig auf ihr Handy, dass ihr zeigte, dass heute der 31. Oktober war. Wie hatte sie dies nur übersehen können?

„Heute ist Samhain, die Nacht der Nächte! Die Geister fliegen frei und werden sich holen, was ihnen zusteht!“
Was niemanden auffiel, da alle gebannt auf den Redner starrten, war, dass sich, in der Zwischenzeit, über dem Festplatz Wolken, auf dem eben noch klarem Himmel zusammenzogen.

„Und sie werden bekommen, was sie wollen! Nehmt euch in Acht!“
Er griff in eine Tasche seines Umhangs und warf ein Pulver ins Feuer, das augenblicklich anfing grün zu brennen. Im selben Augenblick krachte ein Blitz aus den Wolken hinab ins Feuer, in dem der Kopf eines Stieres erschien.

Die umstehenden Leute dachten, dass es sich hierbei um einen sehr gut gemachten Trick handeln müsste und fingen an zu applaudieren.
Doch in Sœlves Bauch machte sich ein sehr ungutes Gefühl breit. Ein ganz leichtes grünes Schimmern breitete sich von Sœlves Rücken über ihren ganzen Körper aus. Beim Licht des grünen Feuers war es kaum zu erkennen und auch Mia spürte nicht, wie es sich langsam um sie legte, als Sœlve ihre Hand ergriff.

Nachdem sich die Menschen wieder beruhigt hatten, wurde es wieder still. Beinahe schien es so, als wäre auch der Sprecher um Worte bemüht bis er schließlich mit seinem Ritual weiter machte, was Sœlve aber nicht mehr weiter beobachten wollte. Vorsichtig wich sie einen Schritt nach dem anderen vom Feuer und zog dabei Mia sanft aber bestimmt mit sich, die auch keinen Widerstand leistete. Irgendwann waren sie von dem Feuer entfernt und Mia fragte sie mit leiser Stimme:
„War das gerade echt oder nur ein Trick?“

„Wenn ich das nur wüsste… es hat mir zumindest Angst gemacht,“ antwortete sie.

Als sie nun an den Zelten vorbei kamen, merkten sie, dass sich etwas verändert hatte. An allen Zelten hingen nun kleine Stoffbeutel zum mitnehmen. Bei der Wahrsagerin hingen besonders schön verzierte Beutel und daher nahmen sich die beiden jeweils einen mit. Beim hineinschauen stellten sie fest, dass sich in ihnen kleine goldene Glöckchen, an denen ein Bändchen in der selben Farbe des Beutels befestigt war, befanden.

Früher hatte Sœlve es geliebt, kleine Glöckchen an ihren Schuhen oder anderen Kleidungsstücken zu befestigen, um Leute zu verwirren. Dies hatte auch wunderbar geklappt. In ihrer Klasse hatte es mehrere Wochen lang gedauert, bis irgendjemand gemerkt hatte, dass sie es war, die diese Geräusche machte. Einige hatten bereits angefangen an ihren Sinnen zu zweifeln, da dieses helle Leuten immer in den ungewöhnlichsten Momenten erklang. Vielleicht sollte sie dies ja mal wieder in Zukunft ausprobieren.

Mit einem Schmunzeln steckte sie das kleine Täschchen ein während sie weiter an den Zelten entlang gingen und schließlich den Festplatz verließen. Sie wollte jetzt eigentlich nur noch nach Hause, aber Mia hatte noch die Idee einen kleinen Umweg zu machen, um vielleicht ein paar Sterne sehen zu können.

Statt nun der Straße zu folgen, bogen sie in einen kleinen Weg ab, der auf einen Hügel führte. Auf dem Hügel gab es keine elektrischen Lampen, so dass dort die Chancen besser standen, Sterne zu entdecken. Das Licht des Mondes reichte aus um den Weg zu erkennen. Auch wenn es Felsen gab, die am Rand des Weges lagen, reflektierte der weiße Sand auf dem Boden auch die leichtesten Lichtstrahlen.

Oben angekommen schauten sie hoffnungsvoll hinauf in den Himmel. Für wenige Sekunden sah es so aus, als ob die Sterne eine Art Tanz aufführen würden. Sie bewegten sich in Kreisen und Ellipsen umeinander herum und veränderten dabei sogar die Farbe des Himmels. Ein violettes Schimmern erschien dort, wo sich die Sterne bewegten. Beinahe sah es so aus, als ob man im Weltall ferne Welten erkennen konnte. Immer schneller bewegten sich die Lichtpunkte in ihren Bahnen und dann war es so schnell vorbei wie es angefangen hatte.

Alles ging so unglaublich schnell, dass es ein Traum hätte sein können. Doch als sich Sœlve und Mia anschauten, wussten sie ganz genau, dass die andere das selbe gesehen hatte, wie sie. Auch wenn es ein wenig unheimlich gewesen war, war es auch gleichzeitig sehr schön dieses gesehen zu haben. Mia kuschelte sich an ihre Freundin, die ihre Arme um sie schlang. So standen sie noch lange auf dem Hügel, in der Hoffnung, doch noch ein paar Sterne sehen zu können.

Da es mit der Zeit langsam aber kühler wurde, beschlossen die beiden nach Hause zu gehen. Sie gingen den Pfad auf der anderen Seite des Hügels hinunter und entdeckten ein paar Glühwürmchen, die noch am Wegesrand umherflogen. Dieser Anblick erfreute sie so sehr, dass sie nicht mehr so sehr auf ihre Umgebung achteten, als sie nach Hause gingen.

Sie kamen wieder an einigen Felsen, die in den Schatten lagen vorbei und erreichten wieder die Hauptstraße um am Fluss nach Hause zu gehen. Doch nachdem sie die Schatten hinter sich gelassen hatten, fing sich etwas an im Schwarz zu bewegen. Ein Zischen erklang und ein brennendes Streichholz erhellte das Gesicht eines Jungens, der nicht hätte dort sein dürfen.

Bis kommenden Freitag, den 07.10.16 hab ihr Zeit zu Kommentieren und Vorschläge zu machen.

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