Die Nacht der Ætheria – Graun des Morgens 03

Den Stress, der allerdings danach kommen würde, den wollte sie nun an diesem Tage wirklich nicht erleben. Vor allem… wie sollte sie es Mia erklären, dass sie fliegen konnte? Zwar gab es vor einiger Zeit, ein Ereignis mit einem Dschinn, doch war sie danach der festen Meinung, dass es nur ein Traum gewesen sein könne.

Daher blieb ihr diese Option verwehrt und es blieb einfach nichts Anderes übrig, als sich zu beeilen.

Auch als sie den Platz durch eine Seitenstraße verlassen hatten, klang diese durchdringende Stimme ihnen noch nach, dass sie verfluchte Hexen wären.

„Wenn der nur wüsste, wie knapp er nur daneben lag“, dachte sich Sœlve und fing, während sie noch Mia hinter sich herzog, an laut zu lachen. Vom Lachen bekam sie schnell Seitenstechen und musste kurz stehen bleiben. Mia verstand nun gar nichts mehr, sagte aber auch nichts, als Sœlve sie nur umarmte und weiter lachte.

Während sie dort standen beruhigte sie sich langsam wieder und wischte sich ein paar Tränken aus den Augen.

„Na komm, wir müssen noch ein Stückchen laufen“, kicherte sie noch ein wenig vor sich hin um sich dann im Arm ihrer Freundin einzuhaken.

Um zum Wolfsweg zu gelangen, mussten sie ein ganzes Stück am großen Fluss, der die Stadt in der Mitte teilte, entlang gehen. Da es so still war, und ihnen kaum jemand entgegenkam, war der Spaziergang fast schon ein wenig romantisch.

Schon bevor sie ihr Ziel erreicht hatten, hörten sie leise Musik und sahen ein wahres Lichtermeer am Festplatz. Unwillkürlich musste Sœlve anfangen zu grinsen, während sie sich näherten. Sanft verblassten die letzten Sonnenstrahlen im Zwielicht der anbrechenden Nacht als die Sonne hinter den Bergen versank. Der Mond war schon aufgegangen, doch schien er nur blass durch den Dunst am Himmel. So sehr sie sich auch bemühten, Sterne konnten die beiden Freundinnen, zu ihrem Bedauern, keine erkennen.

Normalerweise wären wahrscheinlich viel mehr Leute am Festplatz gewesen, doch nach so einem Tag mit lauter schlechten Nachrichten, wunderte sich niemand, dass nur wenige Menschen den Weg hierher gefunden hatten. Nur vereinzelt standen Autos am Wegesrand und auch von der nahe gelegenen Bahnstation kamen nicht die üblichen Massen um das Spektakel zu bewundern.

Diejenigen, die sich doch auf den Weg gemacht hatten, wurden für ihre Mühen belohnt. Der Festplatz sah aus, als wäre er einer Geschichte aus Tausend und einer Nacht entsprungen. Lauter kleine Zelte, deren Wände aussahen als wären sie aus reiner Seide, reihten sich aneinander und versprühten einen ganz eigenen Zauber. An jedem einzelnen Zelt hingen verzierte Lampions, die in allen möglichen Farben aufleuchteten, und alles mit ihrem sanften Licht erhellten.

Mia und Sœlve erreichten die ersten Zelte und waren von dem Anblick so fasziniert, dass sie kurz inne hielten um die Schönheit zu bewundern. Langsam schlenderten sie an den ersten Zelten vorbei, in denen es Süßigkeiten und andere Dinge zum Essen zu kaufen gab.

An einem violetten Zelt blieben die beiden stehen, da es hier etwas gab, das sie noch nie zuvor gesehen hatten. In der Mitte stand ein kleiner Tisch, auf dem mehrere Schalen aus feinstem Holz standen. In ihnen befanden sich bunte Kugeln, die angeblich per Hand aus Holz geschnitzt waren. Sie hatten die Formen von Früchten oder anderen kleinen Dingen und keine glich einer anderen. Aber das tollste daran war, dass jedes einzelne Stück auch danach roch, wie es aussah. So gab es zum Beispiel blaue Heidelbeeren, rote Erdbeeren oder weißliche Kugeln, die nach Vanille rochen. Begeistert entdeckte Sœlve sogar kleine rosa farbige Rosen, die einen sanften Rosenduft verbreiteten.

Nun war es um sie geschehen und natürlich musste sie eine davon mitnehmen. Da es beim Kauf von sechs Kugeln zwei umsonst gab, entschlossen sie sich jede drei mitzunehmen. Während Mia sich für eine Kirsche, eine Erdbeere und eine grüne Kugel, die nach Moos roch, entschied, nahm Sœlve zwei Rosen und eine schwarze Patschuli-Kugel. Eine der Rosen würde sie später Lilly geben wollen. Als die duftenden Kostbarkeiten in einer Tüte verpackt wurden, schaute die Verkäuferin beide lange an und legte zwinkernd noch einen grünen Apfel mit hinein.

Mit einem Strahlen im Gesicht verließen die beiden ausgelassen das Zelt und gingen wieder gemütlich weiter. Nach und nach näherten sie sich dem Zentrum des Platzes, blieben aber immer wieder an den Ständen stehen um sich die Kuriositäten oder süßen Dinge, die dort verkauft wurden, näher anzuschauen.

Vor dem Mäusezirkus blieben sie sehr lange stehen und überlegten hin und her, ob sie nicht hineingehen wollten. Mia wusste ganz genau, dass Sœlve unbedingt mal eine Ratte als Haustier haben wollte, und auch Mäuse sehr gern hatte. Trotzdem hatten sie ein ungutes Gefühl im Bauch, fingen aber an Pläne zu schmieden, wie man all die Mäuse befreien könnte. Bei der Phantasie der beiden artete es irgendwann aus, dass sie ja auf den Mäusen in die Freiheit reiten könnten.

Während sie vergnügt vor sich hin kicherten erreichten sie die Mitte des Platzes und waren über das riesige Lagerfeuer in der Mitte verwundert. Es war einige Meter im Durchmesser und die Flammen loderten in die Höhe. Mit leisen Knacken brannte es sich in das Holz, das immer wieder in kleinen Aschewölkchen zu Boden rieselte. Neben dem Feuer war in einigem Abstand ein Holzstoß aufgetürmt, damit es genügend Nachschub gab.

Direkt neben dem Holzstoß war ein Zelt, aus dem es köstlich roch. Hier wurden Teigfladen verkauft, die entweder mit Gemüse und einer Sauce oder mit Apfelmus belegt waren. Auch wenn ihr gemeinsames Essen noch nicht so lange her war, verspürten die beiden bei dem Anblick des Essens einen leichten Appetit. Da sie unbedingt beide Sorten probieren wollten, bestellten sie sich jeweils eine Sorte. In einem großen Zelt in der Nähe gab es Bänke und Tische, auf denen sie es sich gemütlich machten und stürzten sich auf das Essen.

Es schmeckte noch besser als es ausgesehen hatte und nur kurze Zeit später war alles bis auf den letzten Krümel aufgegessen. Vollkommen satt und glücklich fiel ihr Blick auf einige Flyer, die auf dem Tisch auslagen. Auf ihnen befand sich Werbung für ein Zelt in dem die Zukunft aus der Hand gelesen werden sollte.

Mia beugte sich vor und flüsterte fast „Da müssen wir unbedingt hin!“

Bevor sich Sœlve versah, war Mia schon aufgesprungen und zog sie von der Bank mit hoch.

Bis zum 09.09. könnt ihr hier oder auf YouTube in den Kommentaren weiter Vorschläge machen und das neue Video erscheint für die Patreons am 14.09 und für alle am 16.09

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