Die Nacht der Ætheria – Graun des Morgens 02

Wieder in der Wohnung, waren die beiden ein wenig müde und kuschelten sich gemeinsam auf das große Sofa, wie sie es schon unzählige Male getan hatten.  Sœlve hob ihren linken Arm ein wenig an und innerhalb von Sekunden war Mia auch schon in ihrer bekannten Kuhle und kuschelte sich fest an ihre Freundin. Wie schon am Abend wollte Mia noch viele Dinge von der Reise wissen, doch da beide in der Nacht so unruhig geschlafen hatten und es so gemütlich war, schliefen sie sehr schnell ein.

Als sie, nach einigen Stunden aufwachten, war es bereits später Nachmittag geworden. Nachdem Mias Bauch anfing sich bemerkbar zu machen und ein lautes Grummeln erklang, beschlossen die beiden aufzustehen und wankten im Halbschlaf in die Küche. Sœlve steuerte zielstrebig auf den Kühlschrank zu, um sich einen kühlen Energy-Drink zu schnappen, während Mia die Kaffeemaschine anwarf. Wenig später saßen sie, bewaffnet mit Messern und Brettchen am Küchentisch und schnibbelten fröhlich Gemüse. Während Mia die Zwiebeln schnitt, versuchte Sœlve immer wieder Stückchen zu klauen um sie zu naschen.

Es war inzwischen ein Spielchen zwischen ihnen geworden dies zu tun. Natürlich durften die doofen Sprüche zwischendurch auch nicht fehlen.

Als alles klein geschnitten war, warfen sie in eine Pfanne um es anzubraten, während nebenbei die Nudeln kochten. Schnell war das Essen fertig und auf den Tellern serviert. Noch bevor sie aßen, holte Mia ihr Radio, in der Hoffnung, dass es etwas Neues zu hören gab. Jedoch wurden ihre Hoffnungen vollkommen enttäuscht.

Zu ihrem Entsetzen gab es lauter schlechte Nachrichten. Einige Menschen drehten total durch und liefen im wahrsten Sinne des Wortes „kopflos“ durch die Gegend. Die Anzahl von Unfällen war an diesem Tag ungewöhnlich hoch, so dass sich im Feierabendverkehr lauter Staus gebildet hatten.

Ein Sender sendete Kommentare von Passenten, die von einer vollkommenen Gleichgültigkeit bis hin zu apokalyptischen Vorstellungen alles enthielten.

Wie schon vorher musste Sœlve an die Ereignisse mit dem Himmelsauge denken, zumindest an das, was sie aus ihren Träumen wusste.

In einer entfernten Zukunft haben Forscher im Puerto-Rico Kanal einen außergewöhnlichen Kristall aus Atlantis gefunden. Auf Grunde seiner unglaublichen Schönheit wurde er  „das Himmelsauge“ genannt. Während der Forschungen lief irgendetwas schief und die Welt wurde für Tage in Nebel gehüllt, der sämtliche Technologie vernichtete. Als sich der Nebel gelichtet hatte, war die Welt mit einer anderen verschmolzen und die Magie war auf die Erde zurückgekommen.

 

Was dann passierte… so ganz sicher war sie sich da nicht. Menschen starben durch Magie und wurden in fremden Körpern wiedergeboren. Sie hatte damals versucht Mia dies irgendwie zu erklären, war aber von ihr für vollkommen verrückt erklärt worden und ging ihr daher lange Zeit aus dem Weg…

Bei Lilly hingegen war dies etwas Anderes. Sie gehörte einem der ältesten Vampirgeschlechter der Zeit an und wusste daher deutlich mehr Geheimnisse der Zeit. Gemeinsam hatten sie auch wirklich verrückte Dinge erlebt, die ihnen wahrscheinlich niemand glauben würde.

Vorsichtig stupste ihr Mia in die Seite, da sie vollkommen abwesend und in Gedanken versunken schien.

„Hey… ist alles okay bei dir?“, fragte sie mit leicht unruhigem Ton in ihrer Stimme. Die Nachrichten hatten sie mehr verunsichert, als es hätte sein müssen.

Sœlve schaute leicht verwundert an, grinste dann aber nur ihr schelmisches Lächeln und erwiderte sehr betont:

„Ich hab doch nur an dich gedacht!“

„Eeeeey… Du sollst mich doch nicht immer auf den Arm nehmen!“

„Das würde ich ja auch gar nicht schaffen“, zwinkerte ihr zu und zog sie zu sich um sie fest in ihre Arme zu schließen.

Sofort verschwand der mucksche Gesichtsausdruck auf Mias Gesicht, den sie nur aufgesetzt hatte um empörter zu wirken. Stattdessen strahlte sie nun ihr schönstes Lächeln.

Leise murmelte sie in Sœlves Haare ein leises „ich hab dich lieb“, was diese auch erwiderte, während sie ihr durch das Haar streichelte.

So saßen sie einige Minuten da, während sie die Zweisamkeit genossen.

Draußen fing es an zu dämmern, als Sœlve vorschlug langsam loszugehen. Zum Wolfsweg war es zu Fuß eine etwas längere Strecke. Wenn sie noch vor der Dunkelheit ankommen wollten, dann mussten sie aufbrechen. Wieder spürte Sœlve eine leichte Nervösotät in ihrer Freundin aufkeimen.

 

Daher drückte sie sie noch einmal ganz lieb und zog sie beim Aufstehen mit sich hoch. Auch wenn Mia nicht wirklich wollte und sich versuchte etwas zudrücken, standen die beiden nur kurze Zeit später wieder auf der Straße.

Nur noch wenige Menschen waren zu sehen. Dafür berührte die Sonne schon die Spitzen der Hochhäuser während sich der Himmel in ein leicht dreckiges Rosa färbte. Es hätte wirklich ein wunderschöner Sonnenuntergang sein können, wenn nur dieses merkwürdige Phänomen nicht wäre.

Noch bevor Mia etwas sagen oder fragen konnte, nahm Sœlve schon ihre Hand um sich in ihrem Arm einzuhaken. Dies schien eine gute Beruhigung zu sein. Um Mia abzulenken fing sie nun aus alles Mögliche zu fragen, was denn während ihrer Abwesenheit passiert war. Bis sie am Vorplatz des Doms, einem der berühmtesten Wahrzeichen der Stadt, ankamen, funktionierte der Plan auch wunderbar. Doch beide waren nicht darauf vorbereitet, was sie dort sahen. Die Kirche erhob sich mit ihren beiden schwarzen Türmen bis weit in den Himmel und lockte täglich Touristen aus der ganzen Welt an. Die mit Engeln und anderen Motiven verzierten Wände waren beliebte Fotomotive, die auf Postkarten gedruckt schon um die ganze Welt gegangen waren.

Doch statt der üblichen Touristenmasse kniete eine große Anzahl von Menschen aller Hautfarben betend auf dem Boden vor den Toren des Gebäudes, während ein Mann mit langem, schwarzem Bart in einer pechschwarzen Robe mit weiten Schritten die Betenden umkreiste und dabei aus vollster Kehle das Ende der Menschheit verkündete.

„Nur wenn Ihr Buße tut, dann werdet ihr vor der Apokalypse verschont und der heilige Gott wird euch beschützen. Beichtet eure Sünden, denn nur die, die reinen Herzens sind, können alles Überstehen! Halleluja!“

Sœlve wurde es schon mit den ersten Worten zu viel, sodass sie versuchte so schnell wie möglich an dieser Masse vorbeizukommen. Leider wurde nichts daraus, da der Prediger sie entdeckte und ihnen laut hinterherrief

„Ihr werdet in der Hölle schmoren und für eure Sünden bestraft werden, wenn ihr euch uns nicht sofort anschließt! Noch könnt ihr euch zum wahren Gott bekennen!“

Diese Drohung ließ Sœlve völlig kalt. Nachdem, was sie schon alles erlebt hatte, konnte ihr niemand wirklich schnell Angst machen. Als in dem Moment allerdings das Geräusch eines entfachten Streichholzes erklang, zuckte sie kurz zusammen. Zu Ihrem bedauern spürte ihre Freundin dies sofort und das weitere Brüllen des Pfarrers machte es nicht besser. Um nun schnell den Ort zu verlassen, beschleunigte sie ihren Schritt und zog Mia nun hinter sich her. Einen Augenblick lang überlegte sie ernsthaft ihre grün leuchtenden Flügel auszufahren und einfach vom Boden abzuheben, nur damit sie schnell wegkamen.

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