Die Nacht der Ætheria – Rot die Nacht 05

Gemütlich folgten sie der Beschilderung und Mia nahm nach einiger Zeit Sœlves freie Hand in ihre Hand. So gingen sie händchenhaltend durch die Gänge bis sie zu einem großen Raum kamen, der an beiden Seiten und an der Decke aus Glas bestand. In der Mitte war ein Wartebereich mit mehreren Bänken. Jeweils an den Seiten waren die Gleise, die durch Glaswände und Glastüren vom Aufenthaltsbereich abgetrennt waren. Jedoch waren die Gleise nicht wie üblich auf dem Boden, sondern dicke Metallleitungen an der Decke. Weder Sœlve noch Mia kannten irgendeinen Flughafen, den man mit einer Magnetschwebebahn erreichen konnte.

Während sich die beiden gemütlich auf eine der freien Bänke setzten, um auf die nächste Bahn zu warten, hörte Sœlve wieder das Geräusch, als würde ein Streichholz direkt hinter ihr angezündet werden. Sie sprang auf und schaute sich um, sah aber nichts.

Ihre Freundin sah sie nur mit einem verwirrten Blick an und fragte sie dann, ob alles in Ordnung sei.

“Ja hast du das denn gerade nicht gehört?”

“Was soll ich denn gehört haben?“, fragte Mia leicht skeptisch zurück.

“Na da war eben doch so ein Geräusch, als ob sich jemand ein Streichholz angezündet hätte…“

“Aber das ist doch nichts ungewöhnliches? Also bis auf die Tatsache, dass hier Rauchen verboten ist…“

Also fing Sœlve an die Geschichte von dem Jungen an der Bushaltestelle und dem Steinschlag sowie dem Ereignis im Flughafen zu erzählen. Mia rutschte näher an sie heran und legte ihren Kopf auf Sœlves Schulter, auf der ihre roten Locken herabfielen.

Nachdem sie zu Ende erzählt hatte, herrschte erstmal eine kurze Stille zwischen den beiden Freundinnen.

“Ich glaube trotzdem nicht, dass du dir da wirklich Sorgen machen solltest… wahrscheinlich sind das nur Zufälle gewesen und eben hast du, weil du übermüdet bist, dir das wohl eingebildet. Da war ja auch nichts”, beendete Mia nach einigen Momenten die Stille.

“Vielleicht hast du ja recht… ich weiß es einfach nicht…”

Wieder schwiegen sie, bis die Bahn einfuhr. Nur wenige Menschen saßen in der Bahn und stiegen an dieser Endhaltestelle aus. Außer Mia und Sœlve stiegen auch nur wenige andere Menschen in die Schwebebahn ein, die sich bereits kurz nachdem sie sich gesetzt hatten, wieder in Bewegung setzte. 

Die Bahn schwankte ein wenig beim fahren und Sœlve musste ein wenig daran denken auf einer großen Schaukel zu sitzen. Dieser Gedanke zauberte ihr ein leichtes Lächeln in ihr Gesicht. Als sich Mia wieder an Sœlve ankuschelte musste diese ein paar türkisene Haarsträhnchen aus ihrem Gesicht pusten, da sie leicht in ihrer Nase kitzelten.

Nur zehn Schwebeminuten später hielt die Bahn am normalen Bahnhof. Von hier aus war es nur einige Meter zum Gleis an dem der Zug in ihre Heimatstadt fuhr. Dort angekommen zeigte die Anzeigetafel, dass der Zug in wenigen Augenblicken einfahren würde. Das war wohl mal echtes Timing.

Schon fuhr der Zug ein und die Tür öffnete sich direkt vor ihnen. Schnell hüpften sie hinein um nun endlich nach Hause zu kommen. Die Fahrt verging wie im Flug und Mia fragte Sœlve lauter Löcher in den Bauch wie denn ihr Aufenthalt gewesen war, was sie erlebt und vor allem was sie dort alles gegessen hatte. Besonders das ganze fremde Essen hatte es Mia angetan.

Ehe sie sich versahen, kamen sie auch schon am Hauptbahnhof ihrer Stadt an. Zum Glück war der Weg zu ihrer gemeinsamen Wohnung recht kurz und da es inzwischen wirklich spät war, kam ihnen auch niemand mehr auf den Straßen entgegen.

Dies war zwar nicht wirklich ungewöhnlich für ihren Stadtteil, und vor allem nicht während der Woche, jedoch hatte Sœlve ein Grummeln im Bauch und irgendwie hatte sie das Gefühl beobachtet zu werden. Erst als sie in ihrer Wohnung angekommen waren, entspannte sie sich wieder ein wenig.

Ihre Wohnung war doch immer wieder wie ein gemütliches Refugium für sie. Kaum hatten sie das Haus betreten, vibrierte ihr Handy leicht und zeigte an, dass es sich wieder mit dem WLAN verbunden hatte. Spätestens jetzt war sie wieder zuhause.

Zwar waren Mia und Sœlve schon fast ihr ganzes Leben miteinander befreundet gewesen, doch änderte sich einiges zwischen ihnen, als Sœlve sich anfing zu verändern. Es gab eine Zeit, in der sie immer wieder etwas von Zaubern, Magie und Fabelwesen erzählte. Auch veränderte sich ihr Aussehen in der Zeit sehr stark. Aus dem kleinen Mädchen mit saphirblauen Augen und blonden Haaren wurde über einen Zeitraum von einigen Monaten eine junge Frau, deren Augen nun smaragdgrün und Haare rot gelockt waren. Obwohl sie auch in einer Klasse waren, wurde es zwischen ihnen eine Zeit sehr ruhig bis sie sich irgendwann wieder trafen und der Freundschaft eine neue Chance gaben.

Nun waren sie sogar zusammen gezogen und hatten eine gemütliche Wohnung bezogen.

Neben der nahezu professionell ausgestatteten Küche im roten Hochglanz gab es noch drei weitere schöne Räume. Jede der beiden hatte ein eigenes Schlafzimmer: Vom Grundriss her waren die beiden Zimmer identisch, was man aber durch die komplett unterschiedlichen Einrichtungen nicht mehr merkte – nur die Kamine ließen noch erahnen, dass es einmal anders gewesen war. Zwischen den beiden Zimmern befand sich noch das riesige Wohnzimmer.

Doch der ausschlaggebende Grund, warum sie sich anfangs in die Wohnung verliebt hatten, war die überraschend große Dachterrasse und die Möglichkeit, auf das Dach des Hauses zu klettern. Sie hatten dort schon unter anderem Erdbeeren, Tomaten und Kartoffeln angepflanzt und geerntet. Was sie im Sommer auch gerne taten, war, sich ihre Sitzsäcke zu schnappen und im Freien unter dem Sternenhimmel zu schlafen.

Mia huschte schnell in die Küche und setzte Wasser für einen Tee auf, während Sœlve ihre Taschen in ihr Zimmer brachte und sich kurz im Bad frisch machte. Als sie aus dem Badezimmer kam wartete Mia schon mit zwei Tassen Tee auf dem Balkon auf sie und lächelte ihr zu. Auch wenn sie es sich nicht richtig eingestehen wollte, machte sie sich doch langsam Sorgen um ihre Freundin. So hatte sie sie schon sehr sehr lange nicht mehr erlebt…

Da die Luft noch warm war, saßen sie noch ein wenig zusammen und quatschten über alles Mögliche, bis sie sich dann in ihre Zimmer zurück zogen.

Wenn sie nur noch ein paar Minuten länger draußen geblieben wären, dann hätten sie dieses rote Leuchten, das am Himmelszelt aufglomm, noch gesehen.

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